Faszination Typografie: Warum Schriftarten in Bewerbungen wichtig sind

Garamond. Hast du gewusst, dass diese Schriftart bereits Mitte des 16. Jahrhunderts von einem Franzosen erfunden wurde? Ohne es zu ahnen, schuf Claude Garamond damit einen Klassiker der Typografie. Garamond ist jene Schriftart, die bis heute am häufigsten im Buchdruck eingesetzt wird. Sie scheint sich also bestens für diesen Zweck zu eignen. Aber was macht eine Schrift überhaupt zu einer „guten Schrift“? Welche Schriftart verwendet man am besten wofür? Und welche Wirkung entfalten Schriftart und Schriftgröße?

Typografie: Schriftarten in Bewerbungen

Der deutsche Typograf und Kunsthistoriker Erik Spiekermann ist ein Besessener seines Fachs. Selbstironisch meinte er einmal in einem Interview, er leide an „Typomanie“, einer Krankheit, die er selbst erfunden habe. „Unheilbar, aber nicht tödlich“, sagt er, und bringt damit zum Ausdruck, dass er alles, was ihn umgibt, aus der typografischen Perspektive betrachtet. Es ist tatsächlich so: Typografie ist wie Hintergrundmusik, die ins Ohr rieselt. Sie wird nicht bewusst wahrgenommen, übt aber einen permanenten Einfluss auf uns aus. Denn Schriften umgeben uns überall: Wir lesen sie auf Bildschirmen, auf Plakatwänden, in Zeitungen, auf Verkehrsschildern oder in Logos. Typografie macht Sprache sichtbar und ist ein wesentliches Element unserer Kommunikation.


Was macht eine „gute Schrift“ aus?

Damit eine Schrift wirkt, muss sie dem Zweck angepasst sein. Technisch gesehen müssen Schriften, die ausschließlich für Bildschirme eingesetzt werden, anders aufgebaut sein als Schriften für eine Plakatwand. Die Verwendung einer Schriftart sollte sich auch nach der Art der Mitteilung richten. So wählen wir beispielsweise für eine Hochzeitseinladung eine andere Schrift als für eine wissenschaftliche Arbeit. Eine bestimmte Schriftart signalisiert uns unbewusst: Lies den Text schnell, lies ihn langsam, lies ihn laut oder gar heimlich. Gliederungen in Texten kommen besser zur Geltung, wenn für Haupt- und Zwischenüberschriften unterschiedliche Schriftarten verwendet werden oder auch einmal Kursivstellungen eingesetzt werden.


Wie kannst du dieses Wissen für Bewerbungsunterlagen verwenden?

Sorge für Abwechslung

Moderne Lebensläufe nach amerikanischem Muster arbeiten bereits mit Fettdruck, regulären Schriftarten, Kursivstellungen oder mit Farben mit weniger Deckkraft. So kannst du beispielsweise alle Daten im Lebenslauf kursiv formatieren oder alle Hauptüberschriften fett. Hier gilt aber: Übertreibe es nicht mit den Formatierungen und setzte sie ganz bewusst ein. Damit steuerst du das Auge der Betrachter*innen gezielt zu dir wichtigen Punkten und besonderen Inhalten. Fettest du ganze Absätze oder ist der halbe Lebenslauf kursiv, hast du es wohl übertrieben und die Abwechslung ist dahin. 

Achte auf durchgängige Größen

Die Größe der gewählten Schrift sollte in Zweierschritten abgestuft werden, also zum Beispiel 11-13-15 oder 12-14-16: Fließtext 11 oder 12 Punkt, Überschriften 13 oder 14 Punkt. Die Schriftgrößen von 15 oder 16 Punkt sollten am Kopf der Seite und nur für den eigenen Namen eingesetzt werden. Zu kleine Schriftarten wirken kleinlich bis kleinlaut und vermitteln fast schon den Eindruck, du hättest etwas zu verbergen. Besonders jene Personaler*innen, die eine Lesebrille benötigen, werden für größere Lettern dankbar sein. Befürchtest du, dein Anschreiben oder Lebenslauf wirkt leer, weil du noch nicht so viel Berufserfahrung nachweisen kannst, bleibe trotzdem bei den empfohlenen Schriftgrößen und lockere den Text lieber mit Absätzen auf, anstatt die Schrift zu vergrößern. Umgekehrt weichst du lieber auf eine zweite Seite aus, als das Anschreiben zu winzig darzustellen. Kontrolliere zuvor aber, ob du nicht zu viel "schwafelst" und übe dich darin, das Motivationsschreiben kompakt zu verfassen und deine Fähigkeiten auf den Punkt zu bringen.


Bevorzugte Schriftarten für Bewerbungsunterlagen und Alternativen

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Schriftarten mit Serifen und serifenlosen Schriftarten (auch Groteske Schriftarten genannt). Serifen sind kleine Häkchen an Buchstaben. In Fließtexten erleichtern Serifen das Lesen, weil sie das Auge an einer gedachten Linie entlangführen. Früher hatte man noch Fließtexte mit Serifenschriften favorisiert, heute gibt es keine eindeutigen Empfehlungen mehr. Die in Bewerbungsunterlagen am häufigsten verwendeten Schriftarten sind:

Serifenschriften: Times, Book Antiqua, Cambria, Georgia und Times New Roman. Als eher modern und empfehlenswert gelten die Serifenschriften Lusitana und PT Serif.
Serifenlose Schriften: Arial, Helvetica, Calibri, Tahoma, Trebuchet und Verdana. Als empfehlenswerte Alternativen kommen in Frage: Alegreya Sans und Josefin Sans.


Diese Schriftarten bitte nicht verwenden

Alle wollen mit ihren Bewerbungsunterlagen aus der Masse hervorstechen, aber bitte nicht mir Schriftarten, die kindisch und unseriös wirken! Dazu zählen: Comic Sans, Courier, Casual, Lobster Two, Bernard und Impact. Ganz wichtig: Für den Fließtext und für die Überschriften solltest du dich durchgängig für eine bzw. zwei Schriftarten (nicht mehr!) für alle deine Bewerbungsunterlagen entscheiden. Deckblatt, Anschreiben, Lebenslauf und gegebenenfalls eine Erklärungsseite müssen ein einheitliches Bild ergeben.

Nütze den Vorteil gut lesbarer Schriften

Personalmanager*innen und Recruiter*innen stehen meistens unter Zeitdruck. Du erleichterst ihnen die Arbeit, indem du eine Schriftart wählst, die gut zu lesen ist (siehe oben angeführte Auswahl). Eine gute Schrift, so Spiekermann, zeichnet aus, dass sie Informationen schnell und einfach liefert. „Helvetica“, meinte er einmal, „ist wie Toastbrot: Schmeckt nach nichts, aber man kann alles drauflegen.“

Nimm dir Zeit für die Wirkung, die deine Botschaft mit verschiedenen Schriftarten hat. Vielleicht kombinierst du Helvetica, die laut Spiekermann weder Vor- noch Nachteile hat, mit den barocken, aber schlicht ausgeprägten Formen der klassischen Schriftart Garamond? Das Team von tirolerjobs.at wünscht dir viel Freude beim Ausprobieren und alles Gute für deine Bewerbung!

UNSER FAZIT FÜR DICH

Schriftarten spielen eine große Rolle beim Erstellen deiner Bewerungsunterlagen, daher lohnt es sich auch, sich mit der Auswahl zu beschäftigen, anstatt die Standardschrift aus Microsoft Word zu verwenden. Oberstes Gebot ist die Durchgängigkeit in deinen Unterlagen. Verwende daher dieselbe(n) Schriftart(en) und Formatierungen für Lebenslauf, Anschreiben und Deckblatt. Empfohlene Schriftgrößen sind 11-12 Punkt für Fließtext und 13-14 Punkt für Überschriften. Mit Fettschreibung und Kursivsetzung hebst du Wichtiges hervor und sorgst für Abwechslung. Die Lesbarkeit deiner Unterlagen ist bei der Schriftwahl oberstes Gebot, vermeide daher Schnörkelschriften oder eine zu kleine Darstellung. 

 

Susanne Huber-Schwarz - Bewerbungsfee

Susanne Huber-Schwarz, bewerbungsfee.at

Susanne korrigiert und optimiert unter anderem Bewerbungsunterlagen oder erstellt sie auf Wunsch ganz neu. Für nähere Informationen steht sie dir telefonisch unter +43 660 5025820 oder susanne@bewerbungsfee.at zur Verfügung. Susanne freut sich auf deine Anfrage!

 

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