Corona-Studie: Disruption in der Tiroler Arbeitswelt?

Die Covid-19 Pandemie verändert unsere Arbeitswelt auch ein Jahr nach dem ersten Auftreten 2020 weiter. Wie wirkt sich die Pandemie konkret im deutschsprachigen Raum aus? Wie konkret in Tirol? Wie ist dein Berufsfeld betroffen? Wie werden wir künftig arbeiten? Das sind Fragen, mit denen wir uns beschäftigen sollten, um auch künftig gut auf den Arbeitsmarkt und unsere eigene berufliche Zukunft vorbereitet zu sein. Das sind Fragen, mit denen wir uns beschäftigen sollten, um auch künftig gut auf den Arbeitsmarkt und unsere eigene berufliche Zukunft vorbereitet zu sein. In einer Studie, die tirolerjobs.at gemeinsam mit der MCI The Entrepreneurial School in Innsbruck bereits mit Anbruch der ersten Covid19-Welle geplant und gemeinsam durchgeführt hat, ergeben sich spannende Einblicke in erste Auswirkungen, die unseren Arbeitsalltag künftig prägen könnten. Im Folgenden geben FH-Prof. Dr. Markus Kittler, Dr. Daniel Degischer und Dr. Peter Schwazer einen ersten Überblick über die Ergebnisse unserer Studie und allgemeine Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt.

Disruption in der Tiroler Arbeitswelt?

Kontext unserer Studie

In einer Studie mit insgesamt 2962 Teilnehmer*innen aus dem DACH-Raum und Südtirol haben sich eine Reihe von Eindrücken verfestigt, die sich auch in anderen aktuell laufenden und veröffentlichten Studien wiederfinden lassen. Hier ein paar Informationen über unsere Stichprobe, damit ihr die Ergebnisse entsprechend einordnen könnt. Fast alle Teilnehmer*innen stammen aus den drei Ländern Italien (45,7%), Österreich (38,1%), und Deutschland (14,3%) und arbeiten auch in ihren Heimatländern. Nahezu alle italienischen Teilnehmer*innen stammen aus Südtirol. In Österreich stammt der Großteil der Teilnehmer*innen aus Tirol, gefolgt von Wien und der Steiermark.

Die Teilnehmer*innen unserer Studie bilden das Spektrum der Erwerbstätigen in diesen Regionen recht gut ab. Sie sind bei Teilnahme im Mittel 40 Jahre alt. Die Altersspanne der Teilnehmer*innen reichte dabei von Berufseinsteigern mit 16 Jahren bis hin zu Menschen, die mit 67 Jahren bereits am Ende ihrer beruflichen Laufbahn stehen und das Pensionsalter erreicht haben. Die Standardabweichung (also die Entfernung vom Mittelwert unserer Stichprobe) beträgt zwölfeinhalb Jahre. Von den Teilnehmer*innen, die Aussagen zu ihrem Geschlecht machen wollten, waren 37,8 Prozent männlich und 61,6 Prozent weiblich. 0,5 Prozent haben sich als divers eingestuft.


Covid19 und die Auswirkungen auf unsere Arbeit

Bereits während der ersten Welle war die Beschäftigung in der Bevölkerung zurückgegangen. Gegenüber den Februarwerten des vergangenen Jahres zeigte sich in unserer Stichprobe ein deutlicher Rückgang bei den Vollzeitjobs. Gaben für Februar 2020 noch 48,7 Prozent der Befragten an, 36 und mehr Stunden pro Woche zu arbeiten, waren es bereits im zweiten Quartal nur mehr 43,4 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Befragungsteilnehmer*innen, die derzeit ohne Beschäftigung sind von 9,5 Prozent im Februar 2020 auf 14,2 Prozent im Folgequartal. Dies geht einher mit den Tendenzen, die sich in den Arbeitsmarktdaten während der Corona-Krise wiederfinden.


Bereits erster Lockdown ein Vorbote

Auch hier zeigte sich der erste Lockdown im März 2020 bereits als möglicher Vorbote von möglicher Disruption, also einer starken Veränderung und möglicher Neuausrichtung unserer Arbeitswelt. In einem Mikrozensusbericht verweist beispielsweise Statistik Austria (2020) darauf, dass im März und April mehr als 380.000 Beschäftigungen beendet wurden und allein in Kalenderwoche 12 118.000 Personen ihren Job verloren haben. Auch die Südtiroler Beobachtungsstelle für den Arbeitsmarkt zeigte neben einer Halbierung der offenen Stellen bereits nach der ersten Welle einen deutlichen Rückgang des Durchschnittsbestandes gegenüber dem Vorjahr. Zwar wurden viele dieser Beschäftigungsverhältnisse nach dem Abklingen der ersten Welle wiederhergestellt. Auch die Abfederung drohender Jobverluste über eine Zunahme von Kurzarbeitsverhältnissen hat einer weiteren Verschärfung registrierter Arbeitslosigkeit zunächst vorgebeugt.

Allerdings bleibt die Arbeitsmarktsituation aus Bewerbersicht auch im weiteren Verlauf der Corona Krise angespannt. Sich über Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt auf dem Laufenden zu halten und über unser Jobportal weitere Karrieremöglichkeiten im Auge zu behalten erscheint also auch im Kontext der aktuellen Entwicklungen im Jahr 2021 mehr als geboten.


Sind Frauen und Männer unterschiedlich betroffen?

In der Befragung zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede in der Entwicklung der Beschäftigungsverhältnisse. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern hat sich die Pandemie - wenig überraschend - ungünstig auf die Beschäftigung ausgewirkt. Gemeinsam für beide Geschlechter zeigt sich bereits bei Betrachtung der Daten für die erste Welle ein deutlicher Rückgang in den Vollzeitjobs. Zu erkennen ist aber auch, dass hier bereits vor Ausbruch der Pandemie deutliche Unterschiede bezüglich des Beschäftigungsstatus bei Frauen und Männern bestanden. So spiegelt auch die Stichprobe unserer Studie wider, dass deutlich mehr Männer in Vollzeit-Beschäftigungsverhältnissen tätig sind als Frauen. Umgekehrt sind mehr Frauen in Teilzeit beschäftigt als Männer. Entsprechend sind Frauen auch anders von Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt betroffen als Männer (siehe unsere Tabelle).

Tabelle: Veränderung der Arbeitsformen während der ersten Welle

Tabelle Veränderung der Arbeitsformen während der ersten Covid-19 Welle

Quelle: Eigene Studie, Job and Work 2020

Während in unserer Stichprobe nach der ersten Welle sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein relativ gleich hoher Rückgang in den Vollzeit Beschäftigungsverhältnissen zu beobachten war (rein bezogen auf die Änderung der Vollzeitverhältnisse jeweils eine Verringerung von um 11%, Männer 11,0%, Frauen 11,8%), scheint es, dass sich die Umschichtung der anderen Arbeitsformen nach der Welle unterschiedlich gestaltet hat. So ist bei den Männern der Anteil der Selbständigen in unsere Stichprobe vor und nach der ersten Welle von 6,7 auf 8,5 Prozent gestiegen. Bei den Frauen blieb die Anzahl derjenigen, die sich als selbständig einstufen mit 2,4 und 2,5 Prozent nahezu konstant. Damit wird der Anteil an selbständig tätigen Frauen im Vergleich noch geringer als der Anteil der selbständigen Männer in unserem Sample. Unterschiede zeigen sich auch bei den Entwicklungen Richtung Teilzeitarbeit. Bei Männern ist ein Anstieg von 6,3 auf 8,1 Prozent der Befragungsteilnehmer in Teilzeitbeschäftigung zu verzeichnen. Bei Frauen ist ein Absinken von 31,4 auf 28,8 Prozent Teilzeitbeschäftigte in der Stichprobe im Zuge der ersten Welle zu verzeichnen.

Dafür fällt das Plus bei Frauen in der Kurzarbeit bezogen auf einen ähnlichen Anteil an der Gesamtheit unseres Samples vor Corona (3,8 Prozent bei Männern, 3,6 Prozent bei Frauen) deutlich höher aus. Nach der ersten Welle gaben bei den Männern 5,5 Prozent an in Kurzarbeit zu sein, bei den Frauen waren es 8,3 Prozent des Samples. Es ist also eine für die beiden Geschlechter unterschiedliche Reaktion auf die Covid19 Krise zu beobachten. Unabhängig davon ist bei beiden ein vergleichbarer Anstieg bei den Arbeitssuchenden zu beobachten. Hatten sich vor der ersten Welle noch etwas unter 10 Prozent sowohl in der Stichprobe der Männer (9,9%) als auch in der Stichprobe der Frauen (9,0%) als arbeitssuchend eingestuft erfolgte bei beiden ein deutlicher Anstieg. Im Quartal nach der ersten Welle hatten sich 13,8 Prozent der Befragungsteilnehmer und 12,1 Prozent der Befragungsteilnehmerinnen als arbeitssuchend charakterisiert.

Weitere Infoquellen
Statistik Austria (2020) Der Arbeitsmarkt in der Corona-Krise, Registerbasierte Erwerbsverläufe, Mikrozensus, Schnellbericht 10.51, Wien 
Südtiroler Landesverwaltung (2020) Arbeitsmarkt in Kürze 2020, Monatsberichte, Bozen.

UNSER FAZIT

Die Erwerbswelt hat sich seit Auftreten von Covid19 verändert und ist aktuell stark in Bewegung. Ende offen. Um über Jobangebote und veränderte Arbeitsangebote auf dem Laufenden zu bleiben wird erneut die zunehmende Relevanz von Jobplattformen wie tirolerjobs.at und anderen Arbeitsvermittlungsmechanismen unterstrichen, die bei einer Korrektur unerwünschter Veränderungen in den Beschäftigungsverhältnissen hilfreich sein können. In anderen und folgenden Blogs geben wir euch weiterhin fundierte Einblicke in die aktuellen Entwicklungen und unseren Rat rund um das Thema Job and Work.

Dein Team von tirolerjobs.at

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