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Psychiater Dr. Reinhard Haller über Narzissmus im Berufsalltag

Psychiater Dr. Reinhard Haller über Narzissmus im Berufsalltag

Was ist Narzissmus? Bin auch ich betroffen? Wo liegt die Grenze zwischen gesundem und krankem Narzissmus? Wie fördert Narzissmus die berufliche Karriere? All diese Fragen beantwortet Dr. Reinhard Haller und spricht über Narzissmus in der modernen Gesellschaft. Besonders nützlich: Tipps für den Umgang mit Narzissten im Berufsalltag.

Robert Lercher: Herr Doktor Haller, wie sehr betrifft Narzissmus die heutige Gesellschaft?

Dr. Haller: Narzissmus hat es immer schon gegeben und Narzissmus ist im Übrigen auch von sich aus nichts Schlechtes. Das Problem ist die Dosis, die heute in der Gesellschaft doch sehr stark geworden ist. Narzissmus war ursprünglich eine Sünde, ein Makel, es ist später zur psychischen Störung, zu narzisstischer Persönlichkeitsstörung erklärt worden, heute hingegen ist es ein gesellschaftliches Ideal. Es sprechen verschiedene Untersuchungen dafür, dass die sogenannten Narzissmusparameter innerhalb von zehn Jahren um 500% zugenommen haben. Es sind sehr viele narzisstische Entwicklungen in der Gesellschaft zu beobachten, beispielsweise die Bankenkrise oder auch Umweltskandale. Und wir können doch glaube ich sagen, dass ungefähr mit der digitalen Wende um das Jahr 2000 herum, der Narzissmus sich gesellschaftlich demokratisiert hat, dass wir also alle den Narzissmus leben können, was wie gesagt kein Problem ist, denn zu wenig Narzissmus zu haben, würde bedeuten, man hat Selbstzweifel, man hat Minderwertigkeitsgefühle. Zu viel Narzissmus aber führt zu sozialer Kälte und letztendlich zu einer Entsolidarisierung der Gesellschaft. 

RL: Welches Wesen hat nun der Narzisst? Wie würden Sie Narzissmus nach Ihnen definieren?

Dr. Haller: Narzissmus ist nicht Eigenliebe, wie das immer wieder falsch übersetzt wird, sondern Narzissmus ist gekennzeichnet durch fünf große E. Zunächst einmal durch einen extremen Egoismus, es wird alles auf sich bezogen. Ich-Icher-am Ichsten ist das Lebensprinzip, die Ego AG ist das wichtigste, was es für diese Menschen gibt. Das zweite große E ist der Empathiemangel, das heißt, der Narzisst kann sich nicht in andere hineinfühlen, ausschließlich in die eigene Person. Das dritte große E ist die Eigensucht. Der Narzisst kann nicht lieben, auch nicht sich selbst. Er ist süchtig auf die Droge, die Droge heißt für ihn Lob, Anerkennung, Bewunderung. Davon kann er nicht genug kriegen, er muss sich steigern, es kommt zum Kontrollverlust. Das vierte große E ist die Empfindlichkeit. Der Narzisst ist im Gegensatz zum Charismatiker extrem kränkbar. Er hat also eine Achillesferse. Er kann nicht vergessen, er kann nicht verzeihen, er kann keine anderen Götter neben sich dulden. Und das letzte große E, das ist die unangenehmste Eigenschaft des Narzissten, er lebt auf Kosten anderer. Das heißt, er entwertet andere Menschen ständig, er behandelt sie zynisch, er setzt sie herab und das ist letztlich etwas, was auch im Berufsleben die Mitarbeiter nicht auf Dauer ertragen können. 

RL: Welche Bedeutung hat nun eben auch Narzissmus für den Berufsalltag jedes Einzelnen?

Dr. Haller: Man hat es vielfach untersucht, man hat beispielsweise festgestellt, dass die psychologischen Profile von psychopatischen Verbrechern und von Brokern an der Börse ident sind. Das hat natürlich den Verdacht erweckt, dass Narzissmus ein Karriereförderer sein könnte, was er am Anfang auch ist. In der amerikanischen Arbeitspsychologie hat man herausgefunden, dass narzisstische Personen tatsächlich eine erfolgreiche Karriere vor sich haben und jedem Betrieb guttun. Allerdings nur am Anfang und nur eine bestimmte Zeit. Im Lauf der Jahre wird der Narzisst zu selbstherrlich, zu eigenmächtig, zu wenig teamfähig, er wird jemand sein, der die Mitarbeiter vergrault durch die ständigen Entwertungen. Dann wird es einsam um ihn und er trifft oft falsche Entscheidungen, sodass man zusammenfassend sagen könnte, jeder Betrieb sollte einen Narzissten einstellen, aber nach zehn Jahren hinausschmeißen, was in der Regel aber nicht mehr gelingen wird, weil der Narzisst dann viel zu mächtig geworden ist. 

RL: Wenn man selbst auf einen Narzissten trifft, wie geht man damit um?

Dr. Haller: Wir müssen uns davor hüten, einerseits dem Charme des Narzissten zu unterliegen. Ich nenne das den Duft des Narziss, ich meine damit aber etwas Psychologisches. Der Narzisst hat so eine Atmosphäre um sich, dass man ihn bewundern muss, man fühlt sich geradezu lobespflichtig, manchmal auch schuldig. Man hat das Gefühl, er ist ständig beleidigt, ich habe irgendetwas Unrechtes getan. Man weiß zwar nicht was, aber man hat dieses Schuldgefühl und davon muss man sich distanzieren. Man muss seine eigenen Grenzen bewahren und dem Narzissten auch mitteilen, dass er oft diese überschreitet. Es ist des Weiteren wichtig, dass wir manchmal in die Schuhe des Narzissten hineinschlüpfen, dass wir eine Zeit lang seine Haut annahmen, dann betrachten wir das Ganze anders. Und dass wir auch seine Botschaften richtig deuten. Wenn wir zum Beispiel erkennen können, dass das Brüllen eines narzisstischen Chefs nichts anderes ist als das hilflose Weinen eines Kindes, dann geht es uns dabei glaube ich viel besser. Wir sollen den Narzissten spiegeln, dann wird er seine Lächerlichkeit manchmal erkennen und wir müssen dem Narzissten besonders in der Anfangsphase mit seiner Droge, mit Lob begegnen. Wir können nicht eine Substanz einfach absetzen auf Null, sonst kommen wir gar nicht an ihn heran. Wir müssen ihm eine Droge im rechten Maß und auch authentisch zukommen lassen, sonst haben wir keine Chance, mit ihm ins Gespräch zu kommen.

RL: Wie viel Narzissmus ist gesund und ab wann wird es zur Krankheit?

Dr. Haller: Der Narzissmus wird zum Problem, wenn es zu Grenzüberschreitungen kommt, vor allem zu einem Übertreten der Leidensgrenze. Wenn also jemand unter meinem narzisstischen Verhalten leidet, dann denke ich mir, ist der Narzissmus ein Problem. Vor allem auch dann, wenn ich selbst darunter zu leiden beginne. Denn der Narzissmus in seiner reinen Form führt immer zu sozialer Isolierung und zu Vereinsamung. Dann wird der Narzissmus zum Problem.

RL: Vielen Dank für das Gespräch. 

Das Interview führte Robert Lercher BA.

Dr. Reinhard Haller sprach beim HRM Symposion am 19. Oktober 2016 im Schloss Büchsenhausen in Innsbruck zum Thema "Narzissmus und Karriere". An dieser Stelle bedankt sich das Team vom HRM Personal Institut und tirolerjobs.at bei Dr. Reinhard Haller für den spannenden Vortrag und bei Robert Lercher BA für sein wertvolles Engagement.

 

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