Berufliche Rehabilitation: Erfolgreich zurück in den Job

Bei der beruflichen Rehabilitation handelt es sich um eine Hilfestellung, die auf den Erhalt bzw. den Erwerb des Arbeitsplatzes abzielt. Menschen, die ein Burnout hinter sich haben, einen Unfall hatten oder körperlich erkrankt sind, können von dieser Maßnahme profitieren. In diesem Beitrag erfährst du mehr über die berufliche Reha.

Berufliche Rehabilitation: Erfolgreich zurück in den Job

Arbeitswelt | Lesedauer: 04 min | veröffentlicht am 20. Juni 2023
Zielgruppe: Arbeitnehmer:innen

Medizinische, soziale und berufliche Rehabilitation

Obwohl die körperlichen und seelischen Belastungen in der modernen Arbeitswelt zunehmen, ist die berufliche Rehabilitation längst nicht so bekannt wie beispielsweise die medizinische Reha.

Dabei könnten viele Arbeitnehmer:innen, dessen Arbeitsplatz aufgrund einer Erkrankung gefährdet ist, davon profitieren. Für Menschen, die ihren Arbeitsplatz aufgrund

  • eines Unfalls,
  • einer Behinderung oder eines
  • Burnout

verloren haben, sind die Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation ebenfalls sehr nützlich.


Doch was ist nun eigentlich der …

Unterschied zwischen medizinischer, sozialer und beruflicher Reha?

Medizinische Rehabilitation

Eine medizinische Reha dient in erster Linie der Wiederherstellung der Gesundheit und soll negative Folgen wie Behinderungen oder chronische Krankheiten verhindern bzw. dessen Ausmaß verringern.

Sie wird oft nach einem Unfall und/oder einer Operation empfohlen. Die medizinische Rehabilitation muss bei der Krankenkasse, der Pensionsversicherung oder einem anderen Reha-Träger beantragt werden.

Soziale Rehabilitation

Die soziale Reha hat die Wiedereingliederung von Versicherten in die Gesellschaft zum Ziel. Diese sozialen Maßnahmen werden nie alleine gewährt, sondern immer in Kombination mit einer medizinischen und/oder beruflichen Reha.

Zu den Maßnahmen zählen laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs die

  • Gewährung von Kostenzuschüssen für die Erlangung des Führerscheins,
  • technische und orthopädische Behelfe sowie
  • Zuschüsse oder Darlehen zum Ankauf oder zur Adaptierung einer Wohnung/eines Hauses.

Berufliche Rehabilitation

Die berufliche Rehabilitation beschäftigt sich mit Maßnahmen rund um den Erhalt bzw. Erwerb des Arbeitsplatzes.

Zu den Maßnahmen zählt unter anderem

  • die Förderung der Arbeitsaufnahme,
  • die Adaption des Arbeitsplatzes,
  • berufliche Anpassung,
  • Fortbildung,
  • Ausbildung und
  • Umschulung sowie
  • Hilfestellung in der Berufsfindung.

Grundsätzlich hat die berufliche Reha zum Ziel, dass Menschen mit einer Behinderung wieder ihren früheren Beruf ausüben können. Arbeitnehmer:innen, die ihren erlernten Beruf aufgrund eines Unfalls, psychischer Probleme oder einer körperlichen Erkrankung nicht mehr ausüben können, sollen umgeschult werden.

Die berufliche Umschulung darf jedoch nicht unter das bisherige Qualifikationsniveau fallen.


Voraussetzungen für eine berufliche Rehabilitation

Wenn Invalidität bzw. Berufsunfähigkeit droht und die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, besteht ein Rechtsanspruch auf Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation.

Im Jänner 2014 wurde das Invaliditätspensionsrecht umfassend reformiert und hat das Ziel, Menschen länger im Erwerbsleben zu halten. Es gilt also der Grundsatz „Rehabilitation vor Pension“.

Für Menschen, die ihrem bisherigen Beruf also nicht mehr nachkommen können, ist ein Umschulungsgeld vorgesehen. Das Arbeitsmarktservice ist mit der Berechnung, Gewährung und Auszahlung des Umschulungsgeldes sowie der Durchführung der beruflichen Maßnahmen der Rehabilitation betraut.


Berufsschutz und Qualifikationsschutz

Für alle Menschen, die am 1. Jänner 2014 jünger als 50 Jahre alt sind, wurde die befristete Invaliditätspension abgeschafft.

Invaliditätspensionen werden seither reduziert und dafür findet eine verstärkte Integration von gesundheitlich beeinträchtigten Menschen in den Arbeitsmarkt statt. Wichtig hierbei ist, dass eine qualitativ hochwertige Umschulung durch das AMS stattfindet. Das bedeutet, dass Betroffene das Recht auf eine Umschulung auf ihrem bisherigen Ausbildungsniveau haben (Lehrabschluss, Fachschule, Matura etc.).

Berufsschutz bedeutet gleichzeitig immer Qualifikationsschutz. Eine Umschulung findet also in jenem Bereich statt, der dem jeweiligen Gesundheitszustand entspricht, in dem es Zukunftschancen gibt und der mit den Betroffenen gemeinsam ausgesucht wurde. Die berufliche Umschulung muss sowohl zweckmäßig als auch zumutbar sein.


An wen kann ich mich wenden?

Wer beim Pensionsversicherungsträger einen Antrag auf eine Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension stellt, beantragt vorrangig Rehabilitation. Um, unabhängig von einem Pensionsantrag, Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation zu erhalten, muss ein Rehabilitationsantrag ausgefüllt werden.

Doch wo bringe ich einen solchen Antrag ein?

Für die Maßnahmen der beruflichen Reha sind verschiedene Stellen zuständig. Im Bereich der Sozialversicherung kümmern sich beispielsweise Unfallversicherungsträger wie die AUVA, BVAEB oder SVS um Anträge, wenn es sich um einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit handelt.

Nach einem Privat- oder Freizeitunfall wendest du dich an deinen Pensionsversicherungsträger.

Es gibt jedoch noch weitere Rehabilitationsträger wie

  • das AMS,
  • die Bundessozialämter oder
  • die jeweiligen Landesregierungen.

Der wichtigste Vertragspartner dieser Reha-Träger ist das BBRZ (Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum).


Warum die Maßnahmen der beruflichen Reha so wichtig sind

Ein Unfall oder eine Erkrankung stellen das Leben völlig auf den Kopf.

Man muss sich nicht nur mit gesundheitlichen Problemen auseinandersetzen, sondern wird oft auch noch von Zukunftsängsten geplagt.

  • Kann ich meinen Lebensunterhalt weiterhin bestreiten bzw. zu dem der Familie beitragen?
  • Wie geht es nun mit mir weiter?

Diese und ähnliche Fragen können Verunsicherung, Selbstzweifel und Orientierungslosigkeit hervorrufen. Die Gefahr in ein tiefes Loch zu fallen ist groß.

Hast du schon einmal von der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ gehört?

Die Studie gehört längst zu den Klassikern der Soziologie und untersuchte die Auswirkungen der Langzeitarbeitslosigkeit in der niederösterreichischen Gemeinde Marienthal. In der Zwischenkriegszeit arbeitete nahezu der gesamte Ort in der dort ansässigen Textilfabrik. Als diese jedoch im Februar 1930 ihre Pforten schloss, war praktisch der ganze Ort arbeitslos.

In der damaligen Zeit glaubte man, dass dieses Schicksal zu einer aktiven Revolution führen würde. In Wirklichkeit fanden die Wissenschaftler:innen jedoch heraus, dass die Langzeitarbeitslosigkeit zu einer passiven Resignation führte.

Die Studie konnte zeigen, wie sehr uns Arbeit hilft, den Alltag zu strukturieren und unser Selbstvertrauen zu stärken. Die Ergebnisse der Studie besitzen noch heute Gültigkeit und zeigen uns, wie wichtig es ist, der Arbeitslosigkeit mit Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation entgegen zu steuern.


Rehabilitation nach einem Burnout

Das moderne Berufsleben wird oft mit

  • Stress,
  • Dauererreichbarkeit und
  • ewig langen To-Do-Listen

in Verbindung gebracht.

Die Zahl der Burnout-Betroffenen steigt stetig.

Wer zu hohe Anforderungen an sich selbst stellt, in einem helfenden Beruf arbeitet oder das Gefühl hat, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein, ist besonders gefährdet.

Vor allem bei Ärzt:innen, Lehrer:innen und Pfleger:innen wird oft ein Burnout diagnostiziert. In diesen Berufen sind hohe Anforderungen mit einem hohen persönlichen Engagement verbunden.

Aber auch Führungskräfte leiden immer öfter am „Ausgebrannt sein“. Wer aufgrund eines Burnouts seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann bzw. möchte, sollte sich eine bewusste Auszeit nehmen. Zunächst einmal ist es wichtig, sich von dem chronischen Erschöpfungszustand zu erholen und die Erlebnisse zu verarbeiten. Erst dann sind die Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation sinnvoll.


Rehabilitation nach psychischer Erkrankung

Eine berufliche Rehabilitation macht nicht nur nach einem Burnout Sinn, sondern auch wenn andere psychische Erkrankungen vorliegen wie:

  • Depressive Erkrankungen
  • Angst- und Panikstörungen
  • Persönlichkeitsstörungen wie Borderline, Antisoziale Persönlichkeitsstörungen etc.
  • Weitere Formen psychischer und psychosomatischer Erkrankungen

Wir fassen zusammen

Eine Gefährdung bzw. der Verlust des Arbeitsplatzes kann viele Gründe haben. Vielleicht ist man von einem Burnout betroffen, hatte einen Unfall oder ist körperlich schwer erkrankt.

Damit Menschen ihren Arbeitsplatz erhalten können bzw. wieder ins Berufsleben einsteigen können, kommen die Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation zum Tragen. Im Rahmen der beruflichen Wiedereingliederung wird beispielsweise Umschulungsgeld von den Reha-Trägern bereitgestellt und es finden verschiedene Fortbildungsmaßnahmen statt.

Petra Zausnig

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